In der Kinderhospizarbeit sind auch männliche Paten gefragt

Ambulanter Kinderhospizdienst für den Bodenseekreis
Ambulanter Kinderhospizdienst für den Landkreis Ravensburg

Der Tag der Kinderhospizarbeit am 10. Februar schafft Aufmerksamkeit für die Situation von Familien mit einem unheilbar erkrankten Kind. Im Rahmen der Ravensburger Vesperkirche stellt deshalb der Kinderhospizdienst AMALIE seine Arbeit vor.

In aller Ruhe geht der zwölfjährige Mark die Regale im Spielzeugladen durch. Schon seit einer Stunde sucht er das passende Geschenk für eine Geburtstagsfeier. Er genießt es, die Zeit zu haben, sich wirklich alles genau anzusehen und es vergeht eine weitere halbe Stunde, bis er sich endlich entscheidet. Wenn er mit seiner Familie in der Stadt ist, dann geht das nicht, aber Benjamin Grimm, sein Pate vom Kinderhospizdienst hat Geduld und Zeit mitgebracht.

Männliche Paten sind selten

Mark ist das älteste von drei Kindern. Sein kleiner Bruder ist erst zwei Jahre alt und seine Schwester Johanna ist unheilbar erkrankt. „Als die Familie merkte, dass Mark irgendwie zu kurz kam, wandte sie sich an uns“, erinnern sich Elisabeth Mogg und Barbara Weiland, Koordinatorinnen vom Ambulanten Kinderhospizdienst AMALIE, einem gemeinsamen Projekt der Stiftung Liebenau und der Malteser. „Sie fragten speziell nach einem jungen männlichen Paten, der mit Mark Fußball spielt, in den Wald oder mit zum Angeln geht.“ Auf ihre vier männlichen Paten ist Frau Mogg besonders stolz: „Das ist für den Schnitt in Baden-Württemberg nahezu rekordverdächtig.“

Hilfe, wo sie gebraucht wird

Die ehrenamtlichen Paten schenken den Kindern drei bis vier Stunden Zeit pro Woche und entlasten so die Familien. Sie helfen aber auch bei organisatorischen Schwierigkeiten oder stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Ein Problem im Moment: Johanna braucht eine Begleitperson im Schulbus. Hier springt der Pate ein, telefoniert mit der Krankenkasse und dem Schuldienst. „Ich merke, dass ich schon mit ganz kleinen Dingen eine Familie in einer schwierigen Zeit unterstützen kann“, erzählt Benjamin Grimm, der sonst als Heilerziehungspfleger arbeitet.

Qualifizierungskurs hat noch Plätze frei

Bevor ein Einsatz in einer Familie stattfinden kann, schult der Ambulante Kinderhospizdienst AMALIE die ehrenamtlichen Kräfte in einem rund 100 Stunden dauernden Qualifizierungskurs. Der nächste startet im April. „Momentan betreuen wir 14 Familien mit 26 Paten und Patinnen, und der Bedarf steigt“, so Barbara Weiland.

Interessierte Ehrenamtliche können sich am Sonntag und Montag am Infostand vom Ambulanten Kinderhospizdienst AMALIE bei der Ravensburger Vesperkirche informieren. Elisabeth Mogg: „Wir möchten den deutschlandweiten Aktionstag zur Kinderhospizarbeit nutzen, um auf das Thema aufmerksam zu machen und über unser Angebot zu informieren. “

(aus: „Anstifter" , Ausgabe 2, Zeitung der Stiftung Liebenau, Redakteurin Frau Wörner)