Kindertrauergruppe jetzt auch im Bodenseekreis

Ambulanter Kinderhospizdienst für den Bodenseekreis
Ambulanter Kinderhospizdienst für den Landkreis Bodensee: Kindertrauergruppe
Ambulanter Kinderhospizdienst für den Landkreis Ravensburg
Ambulanter Kinderhospizdienst für den Landkreis Ravensburg: Kindertrauergruppe

FRIEDRICHSHAFEN – Trauer ist keine Frage des Alters. Auch Kindern trauern, wenn ein Elternteil, ein Bruder oder eine Schwester stirbt. Dabei erleben sie den Verlust eines geliebten Menschen oft ganz anders als Erwachsene. Um ihnen zu helfen hat der Ambulante Kinderhospizdienst AMALIE auf Initiative der Sonja Reischmann Stiftung schon 2014 in Ravensburg mit der Kindertrauergruppe ein spezielles Angebot entwickelt. Dank Unterstützung der Stadt Friedrichshafen startete im November 2015 im Bodenseekreis eine weitere Kindertrauergruppe.

Vom Werden und Vergehen

„Wo lässt sich das Werden und Vergehen besser beobachten als in der Natur?“, fragte Dr. Tillmann Stottele, Leiter des Amtes für Umwelt und Naturschutz der Stadt Friedrichshafen mit Blick auf das „Grüne Klassenzimmer“. Auch für Barbara Weiland, Koordinatorin des Kinderhospizdienstes Bodenseekreis, ist das Biotop am Rand des Riedlewaldes samt der Gemeinschaftsräume in der Margaretenstraße 41 der ideale Ort für die Kindertrauergruppe. Hier finden sich Teiche, Hecken und bunt blühende Wiesen. „Dank der Unterstützung der Stadt Friedrichshafen können sich betroffene Kinder aus dem Bodenseekreis nun auch wohnortnah treffen“, freut sich Barbara Weiland.

Leben mit der Erinnerung

Neun Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren kommen einmal im Monat in die Kindertrauergruppe. „Hier finden sie einen geschützten Raum, in dem Tod und Trauer keine Tabuthemen sind. Gefühle wie Ohnmacht, Hilflosigkeit oder auch Wut haben hier ihren Platz“, erklärt Monika Cziczek, die die Kindertrauergruppe zusammen mit Bärbel Meier-Wiechmann ehrenamtlich leitet. Im Vordergrund stehen Gespräche, aber auch kreative Angebote, gemeinsames Kochen und Spielen. „Ziel ist, dass die Kinder ihre emotionalen Belastungen ausdrücken und Hilfe bei der Bewältigung finden“, sagt Monika Cziczek. 36 Kinder haben im Landkreis Ravensburg und im Bodenseekreis bisher Unterstützung auf dem Weg in ein Leben mit der Erinnerung an den geliebten Menschen gefunden. Dabei erfahren sie, dass das Leben jetzt zwar anders ist, aber auch wieder schön werden kann.

Initiative der Sonja Reischmann Stiftung

Entstanden ist die Kindertrauergruppe auf Initiative der Sonja Reischmann Stiftung. „Mit dem Kinderhospizdienst AMALIE haben wir den passenden Partner gefunden“, sagt Stiftungsvorsitzende Sabine Reischmann. Hier sollen die Kinder ihre Trauer verarbeiten und lernen, mit ihr umzugehen. „Wir haben unseren Vater verloren, als wir noch Kinder waren, und hatten keinen Raum für unsere Trauer. Deshalb ist die Kindertrauergruppe für uns eine Herzensangelegenheit“, so Sabine Reischmann. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass von Trauer betroffene Kinder die Eltern nicht noch zusätzlich belasten wollen.

Dankbar für Unterstützung

In den beiden vergangenen Jahren hat die Sonja Reischmann Stiftung die Kindertrauergruppe nicht nur inhaltlich eng begleitet, sondern auch mit 12.000 Euro finanziert. Geplant sei, die Kosten für die Gruppe auch weiterhin zu übernehmen. „Da Kindertrauerarbeit nicht durch öffentliche Mittel gefördert wird, sind wir dafür ganz besonders dankbar“, betonen Christoph Gräf, Bereichsleiter der Stiftung Liebenau, und Vitus Graf von Waldburg-Zeil, Bezirksbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes. Beide Organisationen kooperieren seit 2010 als Träger des Kinderhospizdienstes AMALIE.

Eltern können sich austauschen

Parallel zur Kindertrauergruppe haben die Eltern Gelegenheit, sich in Begleitung einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Kinderhospizdienstes auszutauschen. Geplant sei in dieser Zeit außerdem eine Kinderbetreuung für die kleineren Kinder, berichtet Barbara Weiland.

 Monika Cziczek (Ehrenamtliche Begleitung der Kinder), Barbara Weiland (Kinderhospizdienst AMALIE), Vitus Graf von Waldburg-Zeil (Bezirksbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes), Christoph Gräf (Koordinator des Liebenauer Netzwerks Familie), Sabine Reischmann, (Vorstand der Sonja Reischmann Stiftung) und Dr. Tillmann Stottele (Amt für Umwelt und Naturschutz der Stadt Friedrichshafen).

Seit November gibt es in Friedrichshafen eine Kindertrauergruppe des Kinderhospizdienstes AMALIE (von links): Monika Cziczek (Ehrenamtliche Begleitung der Kinder), Barbara Weiland (Kinderhospizdienst AMALIE), Vitus Graf von Waldburg-Zeil (Bezirksbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes), Christoph Gräf (Koordinator des Liebenauer Netzwerks Familie), Sabine Reischmann, (Vorstand der Sonja Reischmann Stiftung) und Dr. Tillmann Stottele (Amt für Umwelt und Naturschutz der Stadt Friedrichshafen).

 

Koordination:

Ambulanter Kinderhospizdienst AMALIE Landkreis Ravensburg und Bodenseekreis

Barbara Weiland, Paulinenstr. 12, 88046 Friedrichshafen, Tel. 07541 4094360

www.kinderhospizdienst-bodensee.de

Foto und Text: Frau Claudia Wörner, freie Journalistin